Antonin Dvořák (1841–1904): Amerikanische Suite A-Dur op. 98 B. 184 (Bearbeitung für Kammerorchester)

Der tschechische Komponist Antonin Dvořák (1841–1904) meinte nach dem Antritt seiner Stelle als künstlerischer Direktor und Kompositionsprofessor am National Conservatory of Music in New York im Jahre 1892: «Die Amerikaner erwarten grosse Dinge von mir, vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen! […]. Anregung gibt es hier genug». 

Heimatliche Klänge und die ‘neue Welt’

Neben grossformatigen Werken wie der Sinfonie Nr. 9 «Aus der Neuen Welt» und einigen kammermusikalischen Werken komponierte Dvořák in Amerika auch die Suite A-Dur für Klavier. Dvořák adaptierte diese Suite auch für Orchester, wobei das Werk in der neuen Fülle von Instrumenten die melodischen Einfälle und verschiedenen Motive im Klangbild mehr noch als die Klavierfassung hervorhebt. Diese orchestrale Fassung der Suite wurde allerdings erst nach dem Tod des Komponisten aufgeführt und publiziert. Die Suite trägt den späteren Beinamen die «amerikanische Suite» nicht nur aufgrund der Schaffensphase des Komponisten in den Vereinigten Staaten, sondern auch weil das Werk viele musikalische Elemente übernimmt, die Dvořák für folkloristisch-amerikanisch hielt. Die Musik setzt sich aus pentatonischen – also die Oktave in nur fünf Stufen unterteilenden – Tonleitern zusammen, die sich zu volkstümlichen Melodien verweben, dazu kommen teils stark betonte Rhythmen und chromatisch erweiterte Harmonik. In den fünf Sätzen der Suite schlägt Dvořák aber auch osteuropäische Töne an und verbindet so heimatliche Klänge mit jenen der «neuen Welt». Vielleicht schwingen in der Musik auch Sehnsüchte des Komponisten nach seiner Heimat mit – nur wenige Jahre hielt es ihn in Amerika, ehe er endgültig nach Europa zurückkehrte. 

Dvořáks reiches Schaffen umfasst Kompositionen aus fast allen musikalischen Gattungen: von Liedern und Sonaten über Sinfonien und Konzerte bis hin zu Opern und Messen. Gerade seine Werke für Orchester galten in Rezensionen schon bald als «reich an glänzenden Farben und voller interessanter Kontraste, charakteristisch in der Thematik und gut gearbeitet».

Die Werke des Komponisten, die oft in seinen heimatlichen musikalischen Traditionen verwurzelt blieben – so heisst es etwa 1914 in der Neuen Zeitschrift für Musik: «Man denke, wie […] Dvorak sein Böhmen gezeichnet hat» –, weisen doch gerade in der Verbindung von Folklore und Kunstmusik den Weg für die nächste Generation. Das hatte schon Dvořáks Freund und Förderer Johannes Brahms verstanden: «Das Beste, was ein Musiker haben muss, hat Dvořák»! 

Amerikanische Suite A-Dur op. 98 B. 184 mit Partitur zum Mitlesen

Die ursprüngliche Version von Amerikanische Suite A-Dur op. 98 B. 184  für Klavier solo.