Erwin Schulhoff (1894-1942): «Hot»-Suite für Posaune und Kammerorchester (Bearbeitung von Matthias Bucher)

Das frühe 20. Jahrhundert bedeutete in der europäischen Musikgeschichte einen markanten Umbruch: Die spätromantische Kunstmusik traf auf moderne Musikströmungen. Ein wichtiger – wenn auch heutzutage wenig bekannter – Komponist und Pianist jener Zeit war der in der Prager Musikwelt aufgewachsene Erwin Schulhoff (1894–1942). Der von Antonín Dvořák und Max Reger geförderte Komponist kam früh mit neuen Stilrichtungen wie der Avantgarde, dem Expressionismus und dem Jazz in Kontakt. Schulhoff, der besorgt war, dass seine Berufskollegen den musikalischen «Nachwuchs auf einen gänzlich falschen Weg» führten, fand schon bald seine eigene musikalische Sprache. Selbstbewusst schrieb der Komponist mit achtundzwanzig Jahren in sein Tagebuch: «Ich habe nie für meine Zeitgenossen gespielt und nie für sie geschrieben, sondern nur immer gegen sie».

Traditionen, Jazz und melodische Freiheiten

Schulhoff – ein «amüsanter, liebenswürdiger, witziger, spielerisch veranlagter, hochbegabter Künstler», aber auch «ein wilder Temperamentsmusikant, ein Draufgeher», wie der befreundete Publizist Erwin Steinhard schrieb – schuf einige vom Jazz beeinflusste Werke, sowohl für Orchester (wie etwa die ersten beiden Sinfonien von 1925 und 1932) als auch für kleinere Besetzungen (wie etwa die Hot-Sonate für Altsaxophon und Klavier von 1930) oder für Soloinstrumente (wie die Hot music mit zehn synkopierten Etüden für Klavier von 1928). Gerade in der Hot-Sonate verband der Komponist die formalen Traditionen der Kunstmusik mit einer modernen instinktiv-improvisatorischen Tonsprache. Der Komponist und Arrangeur Matthias Bucher (*1988) hat mit seiner Hot-Suite für Posaune und Orchester den Stil der Jazz-inspirierten Musik Erwin Schulhoffs aufgenommen. Aus musikalischen Assoziationen zu Schulhoffs Hot-Suite sind fünf eigenständige Sätze entstanden, die mit Titeln wie «The Syncopaters Peter» oder «Tempo di Rag» die Einflüsse des Jazz andeuten. Buchers Hot-Suite leuchtet Schulhoffs Klangwelt neu aus, wobei melodische Freiheiten auch über die Grenzen der Tonalität hinaus im Stile Schulhoffs von der Solo-Posaune über die Orchesterklänge fortgetragen werden. 

Die Kompositionen Schulhoffs, einem bekennenden Kommunisten jüdischer Abstammung und seit 1941 sowjetischer Staatsbürger, wurde von den Nationalsozialisten als entartete Musik gebrandmarkt und die Aufführung seiner Werke wurde untersagt. Nach dem Überfall der Deutschen in Prag wurde der Komponist interniert und starb kurz darauf an Tuberkulose. Schon 1927 schrieb Schulhoff in sein Tagebuch: «Was ihr nach meinem Ableben aus mir machen wollt, das ist mir gänzlich einerlei. Ich bleibe solange ich lebe, stets der, der ich bin!!!» 

Hör- und Leseprobe gefällig?

Lassen Sie sich von Schulhoffs Klangwelt inspirieren mit der Hot-Sonate für Altsaxophon und Klavier.