Johan Svendsen (1840–1911)

Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 15

Claus Peter Knudsen: Portrait of Johan Svendsen (1840–1911).
National Library of Norway, via Wikimedia Commons. No known copyright restrictions.
Spektakuläre Naturlandschaften mit Fjorden und Gletschern, Wikinger, Lachs und Wollpullover – das sind wohl für viele die ersten Assoziationen, die bei dem Gedanken an Norwegen in den Sinn kommen. Die wenigsten allerdings denken dabei an die Musikgeschichte des Landes – vielleicht mit Ausnahme der Kompositionen von Edvard Grieg. Sein enger Freund Johan Svendsen ist hierzulande weniger bekannt. Zu seinen Lebzeiten galt Svendsen als der erste wirklich erfolgreiche norwegische Sinfoniker. Grieg war von Svendsens erster Sinfonie derart überwältigt, dass er sich dazu entschied, seine eigene Komposition dieser Gattung zu verwerfen und sich auf kleiner besetzte, intimere Werke zu konzentrieren.

Johan Svendsen?

Doch wer war Johan Svendsen überhaupt? Der aus einem ärmeren Stadtteil Oslos (damals noch «Christiania») stammende Komponist wuchs in einem Musikerhaushalt auf. Mit 14 Jahren wurde er Mitglied der Militärkapelle, in der er Blasinstrumente spielte. Von seinem Vater lernte er das Geigenspiel. Diese Tätigkeiten inspirierten ihn dazu, erste Werke zu komponieren. Ursprünglich wollte er eigentlich Violinvirtuose werden, doch aufgrund eines Nervenproblems in seiner linken Hand verwarf er diesen Plan wieder und entschied sich stattdessen, Komposition und Dirigieren zu studieren. 1867 schloss er seine Ausbildung am Leipziger Konservatorium ab, wo er bereits seine Erste Sinfonie verfasst hatte. Nach Stationen in Norwegen, erneut in Leipzig und in Paris kehrte er 1872 wieder in seine Heimat zurück. Dort übernahm er gemeinsam mit Grieg die Leitung der Konzerte der sogenannten «Christiania Musikforening». Bald zählte er zu den renommiertesten Kapellmeistern seiner Zeit. 1883 übernahm er die Leitung des Königlichen Hoftheaters in Kopenhagen, von der er sich 1908 zurückzog.

«Gipfelwerk»

Bei einem Konzert der «Musikforening» fand am 14. Oktober 1876 die Uraufführung seiner im Mai desselben Jahres vollendeten Zweiten Sinfonie statt – zu einer Zeit, in der er als Dirigent und Komponist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs war. Svendsen überzeugte das Publikum, das – ebenso wie die Presse – restlos von dem Werk begeistert war. Zuvor hatte er sich mit der Fertigstellung seiner Sinfonie nicht leichtgetan. Dies ist dem Werk jedoch nicht anzumerken: Die optimistische Sinfonie mit ihrem klangvollen und sanglichen Hauptthema, dem bezaubernden Andante sostenuto und dem volkstanz-ähnlichen Intermezzo ist eine ausgereifte Komposition voll Jugendfrische. Heute gilt sie als das «Gipfelwerk» des damals 36-jährigen Komponisten. Man muss jedoch hinzufügen, dass es wenig Vergleichswerke gibt. Denn Svendens Ehefrau, die amerikanische Sängerin Sarah Levett, hatte in einem Eifersuchtsanfall den Entwurf der Dritten Sinfonie des von Damen umschwärmten Komponisten ins Feuer geworfen. Nach diesem Eklat schrieb Svendsen keine Sinfonien mehr. Sein Opus 15 überzeugt jedoch auch ohne zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten auf ganzer Linie!

Text: Franziska Gallusser