Robert Schumann (1810–1856)
Klavierkonzert a-Moll op. 54

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Die Geschichte von Robert und Clara Schumann liest sich wie ein Liebesroman. Die beiden kannten sich bereits seit 1828, als Schumann Klavierunterricht bei Friedrich Wieck, dem Vater der damals achtjährigen Clara, nahm. Spätestens Ende 1835 wurde Schumann sich seiner Liebe zu der talentierten und erfolgreichen Pianistin und Komponistin bewusst und ab 1836 betrachteten sich die beiden als verlobt. Claras Vater stimmte der Hochzeit jedoch nicht zu. Es kam zum Bruch und zu einem vier Jahre andauernden zähen Kampf, der erst mit einem Gerichtsbeschluss beendet werden konnte. Das Ergebnis: Friedrich Wieck wurde wegen übler Nachrede zu 18 Tagen Gefängnis verurteilt – und Robert und Clara konnten am 12. September 1840 endlich heiraten und das Musikerpärchen des 19. Jahrhunderts werden.
Entstehung eines «Bravourstücks»
Diese Heirat änderte Schumanns Lebens- und Künstlersituation: Er musste nun mit seinen Kompositionen eine Familie ernähren. Er stand damit unter grossem Druck, denn sein Ehrgeiz, grosse Werke hervorzubringen, der Wunsch seiner Frau, ihn als renommierten Komponisten zu sehen und die wirtschaftliche Notwendigkeit trafen aufeinander. Unter diesen Bedingungen entstand sein Klavierkonzert op. 54, dessen ersten Satz Schumann allerdings bereits 1841 geschrieben hatte. Damals trug er den Namen «Phantasie» in a-Moll für Klavier und Orchester. Da er keinen Verleger dafür fand, ergänzte er ihn 1845 um zwei weitere, ineinander übergehende Sätze, nämlich das Intermezzo und den Finalsatz.
Am 27. Juni 1845 notierte Clara Schumann in ihrem Tagebuch: «Robert hat zu seiner Phantasie für Klavier und Orchester in a-Moll einen letzten schönen Satz gemacht, so dass es nun ein Konzert geworden ist, das ich nächsten Winter spielen werde. Ich freue mich sehr darüber, denn es fehlte mir immer an einem grössern Bravourstück von ihm.»
Vertonte Liebeserklärung
Die melodische Keimzelle vieler Themen des Konzerts sind die Töne C–H–A–A, die für «CHiArA» stehen – den Davidsbündlernamen von Clara. (Die Davidsbündler waren ein 1833 von Schumann ins Leben gerufener fiktiver Kreis, dem lebende und verstorbene Künstler*innen angehörten. Alle Mitglieder trugen Fantasienamen, wie in Geheimbünden üblich.) Das Konzert ist somit als eine vertonte Liebeserklärung zu verstehen. Und es finden sich im Stück noch mehr Bekundungen an seine Frau. So etwa im ersten Satz, dessen Hauptthema eine Reminiszenz an Claras Notturno op. 6 Nr. 2 (1834) darstellt, oder in der an die liebliche Arie «In des Lebens Frühlingstagen» des Florestans aus Beethovens «Fidelio» angelehnten Phantasie – denn «Florestan» war Robert Schumanns Davidsbündlername. Bei der Dresdner Uraufführung des Klavierkonzerts am 4. Dezember 1845 konnte natürlich niemand anderes als seine Frau Clara den Solopart übernehmen. Von da an trat das Werk seinen steinigen, aber stetigen Siegeszug durch die Konzertsäle an – und trug Schumanns Liebesbotschaft an seine Frau in die ganze Welt hinaus.
Text: Franziska Gallusser